Lucas Feitosa
Professor & Co-Founder
Am 16. Dezember 1997 wurde ich in Recife, Pernambuco (Brasilien) geboren. Von Anfang an war ich ein sehr aktives Kind. Das war wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum mich ein Freund, als ich 7 Jahre alt war, mit zum Jiu Jitsu Training nahm. Dieses Jiu Jitsu Training fand im Rahmen eines Sozialprojekts in der Favela, in welcher ich aufgewachsen bin, statt. In brasilianischen Favelas gibt es immer wieder solche Sozialprojekte, welche den Kindern mit Hilfe von Sport Hoffnung geben und sie lehren ein Ziel im Leben zu haben. Ich bin einer der lebendigen Beweise, dass ein solches, für viele Menschen unbedeutendes, Sozialprojekt, für mich sowohl auch für viele andere Kinder Gold wert war bzw. ist.
Schon als Kind begann ich mit Wettkämpfen und sammelte mehrere staatliche und nationale Titel in Brasilien. In meinen Teenage-Jahren verfestigte sich mein Wille, einmal ein Jiu Jitsu-Schwarzgurt auf höchstem Niveau zu sein. Aus diesem Grund widmete ich jede freie Minute meines Lebens dem Jiu Jitsu.
Mit 16 Jahren bekam ich vom brasilianischen Wrestling Nachwuchs-Nationalteam die Möglichkeit, zusätzlich zum Jiu Jitsu, Wrestling zu trainieren und an Wrestling-Wettkämpfen teilzunehmen. Dadurch konnte ich meine Basis im «Stand-up Kampf» ausbauen und festigen. Dieser Lebensabschnitt war sehr wichtig für mich, da er meine Fähigkeiten und meine Athletik im Jiu Jitsu auf das nächste Niveau hob. Das Brasilianische Jiu Jitsu blieb aber immer mein Hauptfokus.
Ein Jahr später öffnete sich erneut eine neue Tür in meinem Leben: Ich bekam ein Stipendium. Während diesem Jahr entwickelte sich in mir der Wunsch in Recife (Brasilien) Rechtswissenschaften zu studieren. Nachdem ich mir tiefgründige Gedanken zu meinem Leben und meinen Zukunftswünschen gemacht habe, kam ich zum Entschluss, diesen Weg so nicht einzuschlagen.
Stattdessen wollte ich alles auf das Jiu Jitsu setzen, was auch immer passieren mag und was auch immer es mich kosten würde. Diese Entscheidung brachte mir auch drastische Einbussen, jedoch verfestigte jeder Schicksalsschlag meinen Entscheid und formte mich zu einem Mann, der haargenau weiss was er will und niemals aufgibt.
Nachdem ich 18 Jahre alt wurde, kontaktierte mich ein ehemaliger Professor, welcher mir Jiu Jitsu im Sozialprojekt in Recife unterrichtete. Dieser Professor war damals vor einigen Jahren nach Europa ausgewandert und wollte mir eine Reise nach Deutschland ermöglichen. Mit 18 Jahren verliess ich das erste Mal meine Heimat und reiste nach Europa, um eine andere Kultur, ein anderes Land kennenzulernen und mein Wissen über Jiu Jitsu an andere Leute weiterzugeben. Dies war ein Schlüsselmoment meines Lebens. In den Jahren danach folgten weitere mit dem Jiu Jitsu zusammenhängende Aufenthalte in Deutschland, in der Schweiz, in England und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ich nahm an vielen Wettkämpfen teil und konnte meine Medaillensammlung mit internationalen Titeln erweitern.
In der Schweiz öffnete Felipe («Broa») die Türen seines Dojos «Carlson Gracie Zürich» für mich. Dort lernte ich neben vielen anderen grossartigen Personen, meine Ehefrau, Scout kennen. Sie war auch der ausschlaggebende Grund für meine Entscheidung, mich in der Schweiz niederzulassen.
Im November 2019 wurde ich in einem Alter von 21 Jahren von Carlson Gracie Jr. persönlich mit Felipe Thiago «Broa» Da Silva zum Schwarzgurt ernannt. Das war ein unglaublicher Moment für mich, denn seit ich 7 Jahren alt war, habe ich von diesem Augenblick geträumt. Inzwischen kämpfe ich als Schwarzgurt an der Weltspitze.
Der Traum, ein eigenes Team zu haben, entfachte sich bereits, als ich noch ein Kind mit dem blauen Gürtel war. Zu dieser Zeit begann ich im Rahmen des Sozialprojekts die Professoren bei den Kinder- und Anfängerklassen zu unterstützen.
Mein Ziel als Trainer ist es, Jiu Jitsu in der Schweiz zu entwickeln, Jiu Jitsu, für die, die noch nie im Leben trainiert haben, zu vereinfachen, und diejenige zu unterstützen, welche ernste Ambitionen haben, im Sport Grosses zu erreichen.
Wie ihr seht, wuchs ich in ganz anderen Verhältnissen auf als die meisten Kinder hier in der Schweiz. Meine Kindheit war geprägt durch Schicksalsschläge und Armut. Ich weiss, wie es ist, nichts zu besitzen. Doch ich weiss auch wie es ist, ein einziges Ziel vor Augen zu haben und nie aufzugeben. Alles was ich jetzt besitze und alles was ich bis jetzt in meinem Leben erreicht habe, habe ich dem Jiu Jitsu zu verdanken. Das Jiu Jitsu verkörpert mein ganzes Leben.
Mit dem Unterrichten von Jiu Jitsu möchte ich den Leuten zeigen, was alles mit Disziplin und Leidenschaft erreicht werden kann, egal ob im Sport oder in einem anderen Lebensbereich. Gebt niemals auf!